Zimmer-Theater Ariane

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Theaterbüro

Pflanzschulstrasse 12

8400 Winterthur

 

MARIANA PINEDA

nach Federico García Lorca

Regie

Jordi Vilardaga

 

mit

Rachel Matter

Mona Petri

Antonio da Silva

 

Hinter den Kulissen

Judith Kolb (Kostüme), Werner Lüthy (Bühne), Marie-Louise Michel (Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit), Astrid Wittinghofer (Mitarbeit Produktionsleitung), Gabi Huber (Gestaltung Print)

 

Premiere

Donnerstag, 24. September 2015, Zimmer-Theater Ariane, Winterthur

 

Mariana verhilft ihrem Geliebten, einem Revolutionär, zur Flucht aus dem Gefängnis. Sie wird vom Strafrichter bedrängt, bleibt sich selbst und ihren Idealen jedoch treu und wird zum Tode verurteilt.

Das Theater Ariane bringt Lorcas Stück in einer eigenen Fassung auf die Bühne, in der die zwei Schauspielerinnen und der Schauspieler elf Figuren verkörpern. Ohne vordergründige Aktualisierung, wird die Geschichte ins Hier und Jetzt geholt. Sie erzählt von echten und wahren Gefühlen – nachvollziehbar und doch voller Geheimnisse.

 

Mariana ist die erste und stärkste von Lorcas eindrucksvollen Frauenfiguren: eine Julia ohne Romeo. Sie wird zur Verkörperung der Freiheit im Moment, in dem sie erkennt, dass ihr Liebhaber sie mit der Freiheit «betrügt». Ein höchst aktueller Diskurs zwischen persönlichen und kollektiven Idealen. Wo, wann, warum fängt Widerstand an? Wie weit geht die Opferbereitschaft der Frau?

 

«Mariana Pineda», Lorcas grosses Frühwerk von 1925, ist seit je eine Herausforderung für Ensembles, die neben dem Kammerton das grosse theatralische Sujet suchen. Ein Stoff, der nach musikalischer Sprache ruft. Ausgehend von der Biografie der Freiheitskämpferin Mariana Pineda aus Granada sucht Lorca nicht die historische Heldin, sondern eine dramatische Frauengestalt, in der der zeitlose Konflikt zwischen Leidenschaft und Pflicht, Macht und Ohnmacht zum Ausbruch kommt.

 

Es interessiert mich nicht, ob ich altmodisch oder modern, sondern nur, ob ich ich bin, in Natur. Ich weiss sehr wohl, wie man halbintellektuelles Theater anfertigt, aber das ist bedeutungslos.

García Lorca in einem Interview, 1932 

Zum Inhalt des Stücks

Mariana Pineda – bereits mit achtzehn Jahren Mutter zweier Kinder und Witwe – wird durch die Liebe zu Pedro de Sotomayor zur engagierten Idealistin und schliesslich zur Märtyrerin um der Liebe, Ehre und Freiheit willen. Mittels einer List hat sie Pedro aus dem Gefängnis befreit und vor dem sicheren Tod bewahrt. Nachdem sie für die Verschwörer eine Fahne mit der Devise

«Gesetz – Freiheit – Gleichheit» gestickt hat, wird sie verhaftet. Vergebens versucht der Strafrichter Pedrosa, sich Mariana gefügig zu machen, die in Gewissensnöten zwischen der Sorge um ihre Kinder, den Gefühlen für Sotomayor und dem Verlangen nach Freiheit schwankt. Im Gefängnis muss Mariana Pineda erkennen, dass Pedro sie im Stich gelassen hat. «Um seine Gedanken zu leben und zu lieben», hat sie konspiriert. Ein letztes Werben des jungen Fernando, der sie anbetet, und sein Angebot, sie in Sicherheit zu bringen, vermögen ihre innere

Gewissheit nicht mehr zu erschüttern, dass der Opfertod sie zum Sinnbild jener Freiheit erhöht, die Pedro sucht.

 

Rachel Matter, Mona Petri und Antonio da Silva

 

Zum Autor

Geboren 1898 in Fuente Vaqueros als Sohn eines Grossbauern und einer Lehrerin. García Lorca publiziert noch als Student der Rechtswissenschaften und der Literatur seine ersten Werke. Als Lyriker wird García Lorca der «Generation von 1927» hinzugezählt, einer zwischen dem Symbolismus und dem Surrealismus stehenden Dichtergruppe. Zu den Freunden des auch musikalisch interessierten und aktiven Dichters gehören Manuel de Falla, Luis Buñuel und Salvador Dalí. 

 

1932 gründet García Lorca das Studententheater «La Barraca».Mit einem klassischen spanischen Repertoire bereist er mit der Truppe ganz Spanien. 1933 entstehen «Bluthochzeit» und «In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa». Er wird in Südamerika als Autor und Regisseur eigener und anderer Werke gefeiert. In bürgerlich konservativen Kreisen heftig kritisiert, wird Federico García Lorca im August 1936 von den Falangisten verhaftet und in der Nähe von Viznar (Granada) ermordet.

 

Die Emotionalität seiner Stoffe, die Musikalität seiner Sprache, die Vielseitigkeit seiner Formen und die Suggestionskraft seiner Stimmungen begründen Lorcas internationalen Ruhm und machen ihn zu einem der grossen europäischen «Klassiker der Moderne» und zum wichtigsten spanischen Dichter des 20. Jahrhunderts.

 

Sagen wir es klipp und klar: Zwischen dem Weltbedeutungstheater Calderóns und den Melodramen und Komödien des Pedro Almodóvar hat kein Spanier unser Bedürfnis nach Drama und Spiel so befriedigt wie Federico García Lorca.

Peter Brook