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GEIERWALLY

von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott

nach dem Roman der Wilhelmine von Hillern

Eine Frauengeschichte aus den Alpen 

als Freilichttheater

 

Regie: Jordi Vilardaga

 

Wally: Rachel Matter

Joseph: Antonio da Silva

Trinker: Krishan Krone

Herr Strunz: Jan von Rennenkampff

Lammwirtin: Bella Neri

Vinzenz: Hardy Hoosman

Stromminger: Bodo Krumwiede

Hirtenbub: Lorenzo Polin

Das Mädchen: Isabelle Weh

Luckard: Bella Neri

Afra: Isabelle Weh

Nikodemus: Hardy Hoosman

Leander: Antonio da Silva

 

Technische Leitung, Licht und Fotos: Li Sanli

Kostüme: Elke Scheuermann

Maske: Doris Lohmann

Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit: Marie-Louise Michel

Geschäftsleitung, Gestaltung Flyer, Plakat, Programm: Gabi Huber

 

Premiere 25. Mai 2011, Winterthur

Derniere 3. September 2011, Wädenswil 

Aufführungsrechte Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 

 

Die junge Wally ist mutiger und selbstbewusster als alle Burschen der Gegend. Als sie eines Tages wagt, das Nest eines «Geiers» in einer steilen Felswand auszunehmen, hat sie den Namen Geierwally weg. Teils misstrauisch, teils spöttisch beäugt, stellen ihr die jungen Männer dennoch nach. Die widerborstige Frau zu erobern, die zudem schön und reich ist, wird zur Herausforderung. Doch sie lässt niemanden an sich heran. Einzig nach dem Jäger Joseph sehnt sie sich, dem Mann ihrer Träume.

 

Hautnah inmitten des Publikums spielt die bewegende Geschichte der unbändigen Wally Stromminger und ihrer leidenschaftlichen Liebe zum Bären-Joseph. In einem Dorfgasthaus treffen die Figuren aufeinander, disputieren und streiten sich: der Stammgast vor seinem Bier, Herr Strunz, der Tourist aus Hamburg, und all die andern. Keine Bergkulisse verstellt den Blick in die Tiefen der Klüfte und die schwindelnden Höhen des Gebirges. Aus der berühmten alten Erzählung ist ein modernes Stück Volkstheater geworden.

 

Dauer 85 Minuten, keine Pause

 

 

Aus dem Stück

Wenn da nicht bald ein neues Bier in Aussicht steht,

dann muss man das Wirtshaus mal erinnern,

dass es ein Wirtshaus ist und kein abg’storbener Bahnhof

oder ein Museum, wo die an den Wänden schon eine Heimat sammeln,

als gäb’s uns nicht mehr.

 

Ich hab dir heut die Karten g’legt. Du bist zwischen zwei Buben g’falln.

Da liegt ja die Perlenkette zerrissen.

Ist a schlecht’s Zeichen.

Da kann’s leicht passieren, dass man am End zu den saligen Fräuleins g’hört,

wenn man zwischen zwei Buben fällt.

 

Üssäna sindsch

üssäna sindsch vam Bärg

üssäna vam Bärg sindsch

gitanzt hendsch

hend gitanzt

hend gsungu

hend mi igschpunnu

hend mi igfangu

bini mitgigangu inu Bärg

inu teifu

inu fischtru

Bärg igigangu

hinnärnanaa gigangu

gfangu

gfangu giblibu.

 

Joseph

hörst du sie nicht?

Die saligen Fräulein

bezirzen mich.

 

 

Aus dem Roman

«Das is g'wiss die Geier-Wally, die dort oben steht, denn auf den schmalen Vorsprung, so nah an 'n Abgrund traut sich kei andres Madel; schauen s', man meint, der Wind müsst' sie 'runterwehen, aber die thut immer 's Gegenteil von dem, was jeder vernünftige Christenmensch thut.»

 

 

Zum Hintergrund

«Die Geier-Wally» erschien 1873 erstmals als Fortsetzungsroman in der «Gartenlaube».

Als Grundlage für den Roman diente die Lebensgeschichte der Anna Stainer-Knittel, 28.7.1841 bis 28.2.1915. Anna Stainer-Knittel lebte und arbeitete als Portrait- und Blumenmalerin in Tirol und wurde bekannt unter dem Spitznamen Geierwally. Sie galt als ein frühes Beispiel weiblicher Emanzipation.

 

Die Romanheldin aus den Tiroler Alpen hat Millionen von Frauenherzen bewegt. Die stolze reiche Bauerntochter, die sich ihrem Vater widersetzt und allen Widerständen zum Trotz ihren Geliebten für sich gewinnt, war unseren Müttern und Grossmüttern ein Begriff.

 

Theresia Walser hat dem alten Gartenlaube-Roman in eine zeitgemässe Theaterform gegeben. Sie hat die Geschichte nicht demontiert, nicht zerstört – sie hat ein bisschen an der Idylle gekratzt und ihr etwas von ihrer Gemütlichkeit genommen. Dadurch kam das Heutige dieser Geschichte noch deutlicher zum Vorschein, die Geschichte einer eigenwilligen starken Frau, die nahe geht.

 

Wilhelmine von Hillern

11.3.1836 bis 15.12.1916, Schauspielerin und Schriftstellerin.

Sie war die Tochter der Schriftstellerin von Charlotte Birch-Pfeiffer, der von 1837 bis 1843 legendären Prinzipalin des Zürcher Actientheaters, wie das Stadttheater, das heutige Opernhaus, damals hiess. Wilhelmine von Hillern begann ihre Laufbahn als Schauspielerin 1853 am Gothaer Hoftheater. 1857 heiratete sie den Hofgerichtsdirektor Hermann von Hillern. 1865 veröffentlichte sie ihren ersten Roman «Doppelleben», es folgte vier Jahre später «Ein Arzt der Seele». Mit «Die Geier-Wally», eine Geschichte aus den Tyroler Alpen, hatte sie 1875 den ganz grossen Erfolg. Wilhelmine von Hillern schrieb noch ein gutes Dutzend weitere Werke.

 

Theresia Walser

wurde 1967 in Friedrichshafen geboren. Erfolgsautorin am deutschsprachigen Theater. Sie ist die jüngste Tochter des bekannten Schriftstellers Martin Walser. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Schauspielschule in Bern. 1997 liess sie sich als freie Autorin in Berlin nieder. 1998 wurde sie in der alljährlichen Kritikerumfrage des Fachblatts Theater heute zur wichtigsten Newcomerin unter den deutschen Dramatikerinnen und Dramatikern gewählt. Das Theater am Neumarkt hat von ihr «King Kongs Töchter» und «Wandernutten» mit viel Erfolg aufgeführt. Ihre Schwester Johanne ist Schriftstellerin, die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Alissa Walser, Autorin und Malerin von Beruf.

 

Karl-Heinz Ott

wurde 1957 in Ehingen bei Ulm geboren. Er besuchte ein katholisches Internat und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschliessend arbeitete er als Dramaturg in Freiburg, Basel und Zürich. 1998 erschien sein Romandebüt »Ins Offene«, das mit dem Förderpreis des Hölderlin-Preises und dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet wurde. Sein zweiter Roman «Endlich Stille» fand grosse Beachtung.