Zimmer-Theater Ariane

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LEBENSGEFÄHRLICH

Drei Komödien in einem Akt von Eduardo De Filippo

 

Regie: Jordi Vilardaga

Mit Rachel Matter, Antonio da Silva, Andrea Zogg,

Manfred Heinrich und David Zogg 

 

Bühne, Kostüme, Video: Theres Indermaur

Technische Leitung, Licht: Li Sanli

Technik: David Zogg

Video: Christian Indermaur 

Maske: Doris Lohmann

Unterstützung Bühne: Elke Scheuermann
Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit: Marie-Louise Michel

Geschäftsleitung, Gestaltung Print: Gabriele Huber-Böhm      

Fotos: Theres Indermaur und Li Sanli

 

Premiere, Donnerstag 12. Januar 2012, Winterthur

Derniere, Freitag 5. April 2013, Thun

 

Vortäuschen eine Witwe zu sein und als Lockvogel potentielle Freier anwerben, am Sterbebett dem Freund sehnsüchtig verlangte Angehörige vorspielen müssen, sich sorgen um die schwerkranke sterbende längst verstorbene Gattin… Drei abstrus groteske Komödien um den Kampf des Überlebens, um jene Not, die erfinderisch macht und unsere Phantasie und uns spielen lässt. Das Paradoxe in der Realität, das Skurril-Kuriose im Alltäglichen; der Triumph der Komik über den Tod, der hinter jedem einfachen Anlass hervortritt.

 

Ein Stück Theater ausgehend von drei absurd komischen Einaktern und einer nicht stattfindenden Filmvorführung voller verschroben schrägem Humor, metaphysisch und surreal.

 

 

Aufführungsrechte

Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH, Berlin

www.kiepenheuer-medien.de

 

Spieldauer

Erster Teil 65 Minuten / Zweiter Teil 45 Minuten / Eine Pause

 

 

Freundschaft

(Originaltitel «Amicizia», 1952) Einakter, Deutsch von Richard Hey

Bartolomeo Ciaccia – Antonio da Silva

Carolina, seine Schwester – Rachel Matter

Alberto Califano, ein Freund – Andrea Zogg

 

Schmerz unter Verschluss

(Originaltitel «Dolore sotto chiave», 1958) «Schwesterlein, Brüderlein»,

Einakter, Deutsch von Richard Hey / Unter Verwendung der Hörspielfassung,

Deutsch von Jordi Vilardaga

Rocco – Antonio da Silva

Lucia, seine Schwester – Rachel Matter

Signora Paola, Nachbarin – Andrea Zogg

Tremoli, Bildhauer und Fotograf, Nachbar – Manfred Heinrich

 

Der Zylinder

(«Il Cilindro», 1965) Einakter, Deutsch von Richard Hey

Rita, Ehefrau – Rachel Matter

Rodolfo, Ehemann – Antonio da Silva

Antonio, Student – Daniel Koller/David Zogg 

Attilio, Gentleman – Andrea Zogg

Don Agostino, Hausbesitzer – Manfred Heinrich

 

 

In seinen Stücken liegt letztendlich eine absurde Philosophie: dein Leben ist hoffnungslos, aber du lachst, du bist vergnügt und positiv eingestellt, entgegen aller Erwartungen.

Eric Bentley

 

 

«Lebensgefährlich» ist die dritte Neuinszenierung seit der Gründung der Genossenschaft

Theater Ariane im Januar 2011. Nach der Schweizer Erstaufführung von Tankred Dorsts

«Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben» und dem Sommerstück «Geierwally», einer Frauen-geschichte nach dem Roman der Wilhelmine von Hillern wartet das Theater Ariane mit einem absurd komischen Theaterabend mit Einaktern von Eduardo De Filippo auf. Mit von der Partie ist der Schweizer Schauspieler Andrea Zogg, bestens bekannt von Film und Fernsehen wie zuletzt «Sennentuntschi», «Cannabis» oder den Fernsehserien «Tatort» und «Die Direktorin». Neben den Ensemblemitgliedern Rachel Matter und Antonio da Silva spielen zudem Manfred Heinrich und Daniel Koller.

 

Eduardo De Filippo ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten des italienischen Theaters. Seine Einakter sind meisterhaft konstruierte Fabeln mit wunderbaren Figuren, die nicht selten an Typen der Commedia dell’arte erinnern. Kleine Leute aus dem Volk gezwungen zur Überlebens-philosophie «um jeden Preis und mit allen erreichbaren Mitteln». Deren Probleme, dargestellt mit grossem Sprachwitz und grotesker Situationskomik, die geschliffenen, gehaltvollen Dialoge, das Spiel im Spiel sind wundervolles Futter für die Schauspielerin und die Schauspieler.

 

Eduardo De Filippo machte intelligentes, erkenntnisreiches und unterhaltsames Volkstheater. Einige seiner Stücke wurden – zum Teil von ihm selbst – mit grossem Erfolg verfilmt, so zum Beispiel «Die Millionärin», «Es begann in Neapel» und «Filumena Marturano» unter dem Filmtitel «Hochzeit auf Italienisch» mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni.

 

L’errore di molti critici è sempre stato di credere che Eduardo fosse un neorealista:  invece lui era sempre metafisico, era sempre surreale, era sempre interessato al paradosso della realtà.

 

Der Irrtum vieler Kritiker war zu glauben Eduardo sei ein Neorealist, er war hingegen immer metaphysisch, immer surreal, er interessierte sich immer für das Paradoxe in der Realität.

Dario Fo über Eduardo De Filippo

 

 

Zum Theater von Eduardo De Filippo

Zeit seines Lebens beschäftigten Eduardo De Filippo zwei Themen: Armut und jene Not, die erfinderisch macht und die Phantasie erweckt. Seine Figuren kämpfen um das nackte Überleben. Der Tod ist der maximale Einsatz, den ein Mensch leisten kann. Der Bedarf nach Geld und wie weit der Mensch dafür gehen würde ist Gegenstand vieler seiner Stücke. Für Fehltritte ist durchgehend die Armut verantwortlich. Er dramatisiert nahezu banal-absurde, beinahe lächerliche Begebenheiten und überprüft traditionelle Verhaltensmuster, die er hinterfragt und letztlich überaus ironisch korrigiert.

 

Der Tod ist in den Stücken Eduardo De Filippos immer präsent. Schon in seinen frühen Komödien tritt das Phänomen des Todes auf, tritt hervor hinter einem ganz einfachen Anlass. Dies charakterisiert das Theater Eduardos. Es ist der Zusammenhang zwischen dem Komischen und dem Tod. Das Lachen über den Tod als der grösstmögliche Triumph der Komik. Es ist das alte Prinzip der heiteren Traurigkeit, des Fröhlichen in der Melancholie, das alle grossen Komiker und die Clownskunst verbindet. Die clownesken Elemente und der Versuch, die Welt konzentriert, in einer nicht epischen Art zu erzählen, ist es wohl, was Autoren wie Samuel Beckett, Eduardo De Filippo und Anton Tschechow zusammenführt.

 

Eduardo De Filippos Theater zeigt das Paradoxe in der Realität, das wirklicher ist als die Wirklichkeit.

 

 

Eduardo De Filippo (1900 bis 1984)

Eduardo De Filippo wuchs als – legal nicht anerkannter – Sohn des berühmten neapolitanischen Komikers Eduardo Scarpetta im Theatermilieu auf. Als Zehnjähriger stand er schon regelmässig auf der Bühne, seit seinem 14. Lebensjahr spielte er selbständig auf verschiedenen Komödien- und Varietébühnen. Bald wurde er als Komiker bekannt, und 1930 gründete Eduardo mit seinen Geschwistern Titina und Peppino die Schauspieltruppe «Teatro Umoristico i De Filippo». Die Stücke schrieb er selbst, nachdem er schon 1929 mit dem melancholisch-komischen, im Varieté-milieu angesiedelten Dialektstück «Sik-Sik, der Zauberkünstler» den Durchbruch als Autor hatte. Seit 1931 führte die Truppe «Neapolitanische Bescherung» im Repertoire und bereiste mit dem erfolgreichen Stück mehrere italienische Städte.

 

De Filippos Bekanntschaft mit Pirandello (1933) brachte eine Auseinandersetzung mit dessen philosophischen Theorien, jedoch keine Nachahmung des pirandellesken Theaters. Eduardo De Filippo blieb dem Genre des Volksstücks treu.

 

Die Theaterarbeit der Vorkriegszeit wurde durch Faschismus und Krieg kaum unterbrochen, da De Filippos linke Haltung und antifaschistische Kritik in ihrer komödiantischen Verpackung geduldet wurden. 1944 brach die Truppe der Geschwister De Filippo auseinander, und Eduardo gründete seine eigene, «Il Teatro di Eduardo». Mit ihr bereiste er die Provinzstädte Italiens und verfocht auf kulturellem Gebiet statt des faschistischen Zentralismus die neuen Regionalisierungstendenzen, die nach dem Krieg die später zunehmend bedeutungsvolle Bewegung der «Piccoli Teatri» hervorbrachten.

 

De Filippo leitete ab 1954 das Theater San Ferdinando in Neapel, wo er – als Autor, Regisseur und Darsteller ein Allround-Theatermann wie später Dario Fo – die bedeutende Tradition des neapolitanischen Dialekttheaters nicht nur durch seine eigenen Komödien bereicherte, sondern auch ältere Volksstücke bearbeitet und aufgeführt hat, teils jene von seinem Vater Scarpetta.

 

Um die 50 Stücke hat Eduardo De Filippo geschrieben, davon 12 Einakter. In Deutschland hatte neben «Filumena Marturano» (die Geschichte einer Dirne, die einen alten Witwer mit List und Tücke doch noch dazu bringt, sie zu heiraten) die «Kunst der Komödie» grossen Erfolg. In dem Zweiakter «Kunst der Komödie» treiben Schauspieler, als brave Bürger verkleidet, ihre Scherze mit «echten» braven Bürgern. Typisch für die Komödien Eduardo De Filippos ist die neapolitanische Lokalszenerie, die Helden sind kleine Leute aus dem Volk, deren Probleme mit Sprachwitz und grotesker Situationskomik dargestellt werden.